Seit zehn Jahren ein besonderer Ort für Menschen mit Demenz
AWO Seniorenzentrum Süssendell feiert Jubiläum
Das AWO Seniorenzentrum Süssendell feierte sein zehnjähriges Jubiläum. Die Einrichtung gilt bundesweit als beachtetes Modell für die Begleitung von Menschen mit Demenz und ist für ihr alltagsnahes, dorfähnliches Konzept bekannt. In Anwesenheit der stellvertretenden Stolberger Bürgermeisterin Sabine Beumer lobte Claudia Moll, MdB, das Konzept als große Bereicherung für die Region und ihre Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Familien.
Doch der Weg dorthin war nicht einfach. Wie der Präsidiumsvorsitzende der AWO Mittelrhein, Axel Heiner Dabitz, erinnert, ging der Realisierung ein intensives Ringen um die Genehmigung voraus: 2013 wurde die Baugenehmigung für das Demenzdorf erteilt. Beate Ruland, damals Vorsitzende der AWO Mittelrhein, hatte sich in dieser Phase maßgeblich für das Vorhaben eingesetzt. 2014 begann der Bau, 2016 wurde die unter besonders nachhaltigen Gesichtspunkten geplante Anlage fertiggestellt: Fünf Häuser gruppieren sich um einen zentralen Dorfplatz und schaffen damit eine Umgebung, die Orientierung und Gemeinschaft fördert.
Heute leben in Süssendell rund 80 Bewohnerinnen und Bewohner, überwiegend mit dementiellen Veränderungen. Zum besonderen Charakter des Seniorenzentrums gehört, dass das Gelände eher an einen kleinen Bauernhof erinnert als an eine klassische Pflegeeinrichtung. Tiere auf dem Areal sind bewusst Teil des Alltags und eröffnen Begegnungen, Bewegung und sinnstiftende Tätigkeiten.
Im Mittelpunkt steht ein Pflege- und Betreuungskonzept, das auf möglichst viel Selbstbestimmung setzt. Die Einrichtung beschreibt sich als ein Ort, an dem Bewohnerinnen und Bewohner nicht grundsätzlich am Weggehen gehindert werden. Ziel ist es, Freiheit nicht nur als Idee, sondern als spürbare Haltung im Alltag umzusetzen – mit Blick auf Würde, Beziehung und Deeskalation statt Zwang. Der Ansatz knüpfe an die Erfahrung an, dass Sicherheit und Stabilität durch Vertrauen, sinnvolle Beschäftigung und soziale Einbindung entstehen.
Der Alltag in den Häusern ist entsprechend offen organisiert. In den Küchen wird gemeinsam gekocht, Gespräche entstehen nebenbei. Die Bewohnerinnen und Bewohner können einfach nur zuschauen oder sie helfen mit. Auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf bleiben Teil des Geschehens. Ob im Haus oder draußen im Gelände, das Beobachten, Tiere streicheln oder füttern stärkt, was oft im Verlauf der Erkrankung zu verschwinden droht: das Gefühl, noch etwas bewirken zu können.
Mit dem Jubiläum blickt das AWO Seniorenzentrum Süssendell auf eine Dekade zurück, in der aus einer Vision ein vielfach wahrgenommenes Praxisbeispiel geworden ist. Die Einrichtung versteht das Jubiläum zugleich als Auftrag, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen: Menschen mit Demenz ein Leben in Gemeinschaft und in größtmöglicher Freiheit zu ermöglichen.
Foto (v. l. n. r.): Kunibert Matheis (Ombudsperson der StädteRegion Aachen), Sabine Beumer (Erste stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Stolberg), Claudia Moll (Mitglied des Deutschen Bundestages), Klas Bauer (Einrichtungsleiter), Axel Heiner Dabitz (Präsidiumsvorsitzender des AWO Bezirksverbands Mittelrhein e. V.), Sabine von Homeyer (Vorstandsvorsitzende) und Bewohner Peter Starke
Fotoquelle: AWO Seniorenzentrum Süssendell
Über das AWO Seniorenzentrum Süssendell
Das AWO Seniorenzentrum Süssendell (Stolberg-Mausbach) ist eine Pflegeeinrichtung mit Schwerpunkt Demenz. Die Anlage wurde als dorfähnliches Ensemble mit fünf Häusern und zentralem Dorfplatz geplant und umgesetzt. Das Betreuungskonzept setzt auf Alltagsnähe, Teilhabe und Selbstbestimmung; dazu gehören offene Gemeinschaftsbereiche, aktivierende Angebote sowie eine naturnahe Gestaltung des Geländes. AWO Seniorenzentrum Süssendell in Stolberg