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Aktuelles

18.06.2019

Fachkraft statt Hilfsarbeiter – Freie Wohlfahrtspflege drängt auf mehr arbeitsmarktpolitische Förderung von Geflüchteten

Arbeitslosenreport

Köln, 19. Juni 2019. Geflüchtete Menschen können helfen, den Fachkräftemangel zu beheben – so hieß es 2015 immer wieder. Doch obwohl in der Region des AWO BV Mittelrhein mittlerweile 16.712 Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, arbeitet der Großteil bislang in Helferjobs, wie der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt. Mehr arbeitsmarktpolitische Förderung ist nötig, damit geflüchtete Menschen zu Fachkräften werden. Aber das wird durch rechtliche Regelungen erschwert.

 

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni bestätigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW den positiven Bundestrend: Auch in der Region des AWO BV Mittelrhein kommen immer mehr geflüchtete Menschen auf dem Arbeitsmarkt an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter ihnen stieg zwischen September 2017 und September 2018 um durchschnittlich 44 Prozent auf 16.712. Auch machen deutlich mehr Geflüchtete eine Berufsausbildung. Im September vergangenen Jahres waren es 2.349. „Diese positive Entwicklung verdanken wir auch all den Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden der Träger und der Wohlfahrtsverbände, die mit großem Engagement bei der Integration in Arbeit und Ausbildung geholfen haben“, betont Andreas Johnsen, der Vorstandsvorsitzende des AWO BV Mittelrhein e. V. in Köln.

 

Allerdings ist der Weg in Job und Ausbildung für viele Flüchtlinge noch immer lang und beschwerlich. Die Freie Wohlfahrtspflege sieht sehr kritisch, dass die rechtlichen Regelungen zur Arbeits- und Ausbildungsförderung Geflüchteter nach wie vor sehr komplex und schwer durchschaubar sind. Das gerade verabschiedete Ausländerbeschäftigungs­förderungs­gesetz hätte den Zugang zu den dringend notwendigen Maßnahmen der Ausbildungsförderung und berufsbezogenen Deutschförderung für alle Geflüchteten erleichtern können. Doch die Regelungen sind nach Ansicht der Wohlfahrtsverbände unzureichend, weil sie zu viele Gruppen Geflüchteter von einzelnen Leistungen ausschließen. „Wer in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erhält, muss auch sofort alle nötigen berufsvorbereitenden und ausbildungsfördernden Hilfen erhalten können“, fordert Andreas Johnsen, der Vorstandsvorsitzende des AWO BV Mittelrhein e. V. „Schließlich sind sie der Schlüssel zu einer qualifizierten Tätigkeit.“
 

In NRW sind derzeit zwei Drittel der Geflüchteten (67 Prozent) nur im Niedriglohnbereich beschäftigt, was auch mit der Art Beschäftigungsverhältnisse zusammenhängt. Im Gebiet des AWO BV Mittelrhein sind derzeit im Durchschnitt 49,3 Prozent in Helferjobs tätig, durchschnittlich 17,3 Prozent in Leiharbeit. „Viele Flüchtlinge arbeiten deutlich unter ihren Möglichkeiten“, beobachtet  Andreas Johnsen, der Vorstandsvorsitzende des AWO BV Mittelrhein e. V. „Mit gezielter Sprachförderung, beruflicher Qualifizierung und einer erleichterten Anerkennung der im Ausland erworbenen Kompetenzen könnten wir deutlich mehr von ihnen als Fachkräfte gewinnen, die unsere Wirtschaft so dringend braucht.“

 

Das gilt nach Ansicht der Freien Wohlfahrtspflege ebenfalls für viele Flüchtlinge, die noch auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Zahl der Hartz IV-Empfänger aus den acht zuzugsstärksten Asylherkunftsländern außerhalb Europas ist in der Region des AWO BV Mittelrhein auf 38.092 im November 2018 gestiegen. „Es kommt jetzt darauf an, sie so schnell und gezielt wie möglich zu qualifizieren. Nur so können wir verhindern, dass aus ihnen die Langzeitarbeitslosen von morgen werden.“

 

Die Freie Wohlfahrtspflege in der Region des AWO BV Mittelrhein begrüßt, dass Geflüchtete verstärkt in Maßnahmen zur Beruflichen Weiterbildung bzw. zur Berufswahl und Berufsausbildung gefördert werden. Im Dezember 2018 erhielten so 2.094 Menschen Unterstützung bei ihrer beruflichen Orientierung und Qualifizierung. Doch das reicht aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege nicht. Zu oft stehen aufenthaltsrechtliche Regelungen einer nachhaltigen Integration Geflüchteter in Ausbildung und Arbeit in wirklich zukunftsorientierten Berufen entgegen. „Wenn wir mehr Fachkräfte statt Hilfsarbeiter wollen, müssen wir dafür die rechtlichen Weichen richtig stellen“, so der Vorstandsvorsitzende des AWO BV Mittelrhein e. V., Andreas Johnsen.

 

 

Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de herunter­geladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.

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