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Aktuelles

17.09.2019

Endstation Hartz IV? – Freie Wohlfahrtspflege NRW kritisiert, dass Ausstieg zu selten gelingt

Nur einer Minderheit gelingt der Ausstieg aus Hartz IV und eine Rückkehr ins normale Berufsleben. Dies zeigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Die Verbände fordern eine bessere Berücksichtigung der individuellen Situation im Vermittlungsprozess. Integrationen in Arbeit müssen nachhaltig sein, um auch die soziale Situation der Betroffenen zu stabilisieren.

In der Region des AWO BV Mittelrhein gab es im Dezember 2018 durchschnittlich 24.336 Menschen, die als sogenannte erwerbsfähige Leistungsberechtigte auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen waren. Aber nur 362-mal gelang es im Durchschnitt, eine dieser Personen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu integrieren. „Das zeigt, wie schwer es Hartz-IV-Empfänger nach wie vor haben, überhaupt wieder einen Fuß in den Arbeitsmarkt hineinzubekommen“, sagt Andreas Johnsen, der Vorstandsvorsitzende der AWO Mittelrhein. „Und das heißt dann noch lange nicht, dass sie auf dem Arbeitsmarkt auch wirklich Fuß fassen.“

Denn viele befinden sich spätestens nach einem Jahr wieder auf Jobsuche. Laut Arbeitslosenreport waren in der Region des AWO BV Mittelrhein von den 367 Personen, die das Jobcenter im Dezember 2017 im Durchschnitt in sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt hatte, im Dezember 2018 nur noch 243 beschäftigt (66,2 %). Besonders viele, nämlich durchschnittlich 104 sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, endeten bereits innerhalb der ersten drei Monate nach der Integration. „Es genügt nicht, Menschen kurzfristig in Arbeit zu bringen“, betont Andreas Johnsen. „Sie müssen dauerhaft in Arbeit bleiben, denn nur so wird sich auch ihre soziale Situation langfristig stabilisieren.“

Hinzu kommt, dass viele dieser Integrationen nicht einmal zu einem Ende des Hartz-IV-Bezugs führen. In der Region der AWO Mittelrhein gelang dies im Durchschnitt nur in 47,4 % der Fälle. Langzeitarbeitslose haben es nach wie vor schwer, der Armutsfalle zu entrinnen. Das liegt zum Teil daran, dass Menschen etwa aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nur Teilzeit arbeiten können, mitunter aber auch daran, dass ein zu geringer Lohn selbst bei Vollzeitarbeit nicht zum Lebensunterhalt reicht.

Um die Chance auf nachhaltige Beschäftigung zu erhöhen, sollten Arbeitsplätze und Arbeitslose gut zueinander passen. Viel zu oft werden Arbeitslose in Jobs gedrängt, die nicht ihren persönlichen Fähigkeiten und Interessen entsprechen, beobachten die Wohlfahrtsverbände. „Die Jobcenter sollten die Menschen dabei unterstützen, ihre gesamte berufliche und persönliche Situation realistisch einzuschätzen und individuelle Lösungswege zu finden. Bei den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege finden sie engagierte Partner, die sie bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben unterstützen können“, schlägt Andreas Johnsen vor. Und resümiert: „Ein unterstützendes Coaching ist wichtig, damit Menschen der Weg aus dem Hartz-IV-Bezug in den Arbeitsmarkt gelingen kann“. Solche Leistungen müssen aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege standardmäßig zu den Angeboten des Jobcenters für Langzeitarbeitslose gehören.

Das im Januar gestartete Teilhabechancengesetz, von dem in NRW rund 15.000 besonders benachteiligte Langzeitarbeitslose profitieren sollen, beinhaltet bereits ein begleitendes Coaching. Die Beschäftigung wird in den ersten beiden Jahren zu 100 Prozent vom Staat gefördert, in den Jahren danach zu 90 bis 70 Prozent. Die Wohlfahrtsverbände begrüßen die neuen gesetzlichen Möglichkeiten. Sie wünschen sich aber in begründeten Fällen eine Entfristung der öffentlich geförderten Beschäftigung. Sie ist derzeit auf maximal fünf Jahre begrenzt. „Es gibt Menschen, die werden wir nie ohne ergänzenden Lohnkostenzuschuss in sozialversicherungspflichtige Jobs integrieren können. Doch auch sie haben ein Recht auf Arbeit, denn das gibt ihnen Perspektive und Würde“, so Andreas Johnsen abschließend.

Hier geht es zum Arbeitslosenreport.


Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.


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