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Aktuelles

17.12.2019

Arm trotz Arbeit – Freie Wohlfahrtspflege NRW fordert neue Strategien zur Überwindung von Armut

Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland auf einem Rekordtief. Doch zum Bild gehört auch, dass viele Menschen zwar Arbeit haben, aber von ihrem Lohn nicht leben können. Das gilt insbesondere in Nordrhein-Westfalen, wie der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt. 762.000 Menschen, knapp neun Prozent der Erwerbstätigen, zählen hier zu den "working poor". Bundesweit sind es knapp acht Prozent.

Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen haben einen Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen und eine mangelhafte soziale Absicherung. 762.000 Erwerbstätige sind inzwischen von Armut bedroht, weil sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verdienen. Vor zehn Jahren waren es noch 568.000 Erwerbstätige.

Im März 2019 gingen 62.524 erwerbsfähige Hartz-IV-Beziehende in der Region des AWO Bezirksverbands Mittelrhein einer Erwerbstätigkeit nach. Das entspricht 25,6 Prozent aller 244.372 Erwerbsfähigen im Hartz-IV-Bezug in der Region.

Doch nur 17 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in NRW erhalten nur einen Niedriglohn. Unter den Frauen ist davon sogar jede vierte betroffen.

„Kinderarmut hat ihre Ursache in Elternarmut, ganz besonders in der Armut alleinerziehender Frauen. Sie brauchen gezielte Beratung, neue Möglichkeiten der berufsbegleitenden Weiterqualifizierung und ausreichende Kinderbetreuungsangebote, damit ihnen der Ausstieg aus schlecht entlohnter Beschäftigung gelingt“, sagt Andreas Johnsen, der Vorstandsvorsitzende der AWO Mittelrhein.

Bei 7.035 Menschen, die in der Region der AWO Mittelrhein in Vollzeitjobs arbeiten, ist das Einkommen so niedrig, dass es nicht einmal zur Sicherung des Existenzminimums reicht. Sie sind als sogenannte „Aufstocker“ auf ergänzende, steuerfinanzierte Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Hinzu kommen weitere 19.435 „Aufstocker“, die in Teilzeit arbeiten. Einen großen Anteil an den „Aufstockern“ in der Region der AWO Mittelrhein machen 22.446 Minijobber aus, die nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Sie verfügen meist nur über eine mangelhafte soziale Absicherung.

„Es ist ein Skandal, dass so viele Menschen auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt  angewiesen sind“, betont Johnsen. „Hier betreiben Unternehmen Niedriglohnpolitik auf dem Rücken ihrer Beschäftigten und auf Kosten der Allgemeinheit, konkret des Steuerzahlers. Hier fordern wir die Politik auf,  unbedingt gegenzusteuern.“

Hintergrund:
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamts. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.

Hier geht es zum Arbeitslosenreport

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