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Aktuelles

11.12.2018

Ältere Arbeitslose nicht aufs Abstellgleis schieben! AWO Mittelrhein warnt vor drohender Altersarmut

Die Bevölkerung wird immer älter und es fehlen Fachkräfte. Daher werden auch ältere Arbeitnehmer dringend gebraucht. Doch wer sich mit 55 Jahren neu bewerben muss, findet nur schwer einen Job. Die Freie Wohlfahrtspflege in der Region der AWO Mittelrhein fordert mehr Anstrengungen von Politik und Wirtschaft, um das Potenzial älterer Arbeitsloser auszuschöpfen und Altersarmut vorzubeugen.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko des dauerhaften Hartz IV-Bezugs und damit der Altersarmut. Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW zeigt, dass durchschnittlich 79,0 Prozent der Hartz IV-Bezieher ab 55 Jahren in der Region der AWO Mittelrhein seit mindestens zwei Jahren Hartz IV-Leistungen erhalten. In der jüngeren Vergleichsgruppe unter 55 Jahren sind in der Region dagegen durchschnittlich 58,4 Prozent seit mindestens zwei Jahren auf diese staatliche Unterstützung angewiesen. 6.681 Hartz IV-Bezieher in der Region der AWO Mittelrhein, die das 58. Lebensjahr vollendet haben, fehlen in der Statistik der Arbeitslosen komplett, da sie aufgrund einer Sonderregelung nicht mehr erfasst werden.

„Selbst in diesem Alter haben die allermeisten Menschen noch fast zehn Berufsjahre bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze vor sich. Es ist unwürdig, ihnen keine Chance mehr auf einen Job zu geben und erhöht zudem das Risiko der Altersarmut“, kritisiert der Vorsitzende der AWO Mittelrhein, Andreas Johnsen. „Wir müssen alles daran setzen, ihnen so lange wie möglich den Zugang zu sinnstiftender, guter Arbeit offenzuhalten.“

Fehlende oder veraltete berufliche Qualifikationen, aber auch Vorbehalte von Arbeitgebern gelten als Hauptgründe für die Schwierigkeiten älterer Menschen bei der Jobsuche. Ältere Hartz IV-Bezieher ab 50 Jahren nehmen jedoch laut Arbeitslosenreport NRW in der Region der AWO Mittelrhein seltener an Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung teil als jüngere Hartz IV-Bezieher, im Durchschnitt 5,7 Prozent im Vergleich zu 18,7 Prozent. Durchschnittlich 31,7 Prozent der Hartz IV-Empfänger ab 50 Jahren werden in der Region der AWO Mittelrhein mit Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung gefördert, in denen gezielt Vermittlungshemmnisse abgebaut werden sollen. Damit liegen sie unter dem Wert der jüngeren Vergleichsgruppe (35,0 Prozent).

„Es ist wichtig, dass spezifische Weiterbildungs- und Förderangebote für ältere Arbeitslose entwickelt und finanziert werden“, fordert der Vorsitzende der AWO Mittelrhein, Andreas Johnsen. Zudem sei für die Beratung mehr Zeit nötig, was wiederum einen besseren Betreuungsschlüssel bei den Jobcentern erfordere.

Der Arbeitslosenreport zeigt aber auch, dass ältere Menschen häufiger in Arbeitsgelegenheiten oder in geförderten sozialversicherungspflichtigen Stellen beschäftigt sind (durchschnittlich 32,4 Prozent der Fördermaßnahmen). „Für ältere Langzeitarbeitslose, die große gesundheitliche Probleme oder besondere soziale Schwierigkeiten haben, ist ein solcher Arbeitsplatz oft die einzige realistische Chance, ihr Menschenrecht auf Arbeit zu verwirklichen“, erklärt Johnsen. „Deshalb freuen wir uns über den Ausbau öffentlich geförderter Arbeitsplätze mit Sozialversicherungspflicht und Arbeitsvertrag, den das Teilhabenchancengesetz ab Januar 2019 möglich machen wird.“

Die Freie Wohlfahrtspflege fordert, in besonderen Härtefällen den betroffenen Menschen auf Wunsch eine entfristete Fortsetzung ihrer öffentlich geförderten Beschäftigung bis zum Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze zu ermöglichen. „Arbeit bedeutet Wertschätzung, soziale Teilhabe und Tagesstruktur“, betont Andreas Johnsen. „Ältere Menschen haben ein Recht darauf, eines Tages aus der Arbeit und nicht aus der Arbeitslosigkeit in Rente zu gehen.“

Hier geht es zum Arbeitslosenreport

Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de herunter­geladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.

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