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Aktuelles

10.08.2017

Geflüchtete in Arbeit bringen! Der aktuelle Arbeitslosenreport NRW zeigt: bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist noch viel zu tun.

Nach der starken Fluchtmigration im Jahr 2015 und der Beschleunigung der Asylverfahren werden geflüchtete Menschen inzwischen auch in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar.

Die Arbeitslosigkeit von Personen aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien ist NRW-weit von 22.602 Personen im Juni 2015 auf 58.283 Personen im Juni 2017 gestiegen. Die gleiche Tendenz ist auch in der Region des AWO BV Mittelrhein  festzustellen: Lag die Zahl der Arbeitslosen aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern hier im Juni 2015 noch bei 6.199 Personen, stieg sie im Juni 2017 auf 11.206 Personen an.

Doch der von der Wohlfahrtspflege in NRW herausgegebene Arbeitslosenreport NRW zeigt ebenfalls auf, dass in dem verstärkten Zuzug von Personen aus Asylherkunftsländern außerhalb Europas auch eine wirtschaftliche Chance für die Region liegen kann. Denn auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen Ländern ist in der Region des AWO BV Mittelrhein im Zeitraum von September 2015 bis September 2016 um durchschnittlich 60,2 Prozent auf insgesamt 7.659 Personen gestiegen.

Insgesamt macht der Arbeitslosenreport NRW deutlich, dass für eine gelungene Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten noch viel zu tun ist. Denn die mitgebrachte schulische und berufliche Qualifikation der Geflüchteten ist nach den aktuellen statistischen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit mehrheitlich für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt im Moment noch nicht ausreichend. Das gilt auch für das Gebiet des AWO BV Mittelrhein. Zwar bringen im Durchschnitt 21,4 Prozent ein überdurchschnittlich hohes schulisches Bildungslevel durch Abitur oder Hochschulreife mit. Allerdings ist der Anteil Geflüchteter ohne Hauptschulabschluss mit durchschnittlich 28,6 Prozent ebenfalls vergleichsweise hoch. Bei vielen Geflüchteten ist von einem großen Bildungspotential auszugehen. Denn in NRW sind 62 Prozent der Geflüchteten jünger als 35 Jahre.

Der Arbeitslosenreport NRW gibt auch erste Anhaltspunkte darüber, für welche Berufe die Mitarbeiter der Jobcenter und Arbeitsagenturen die erwerbsfähig Geflüchteten aktuell als sofort vermittelbar einstufen. Dabei wird grob unterschieden nach Helfer, Fachkraft/Spezialist und Experte. Demnach kommen im Moment in NRW für mehr als jeden zweiten Geflüchteten (65 Prozent) lediglich Jobs auf Helferniveau infrage. Nur 13 Prozent können Fachkraft- oder Spezialistenniveau nachweisen. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich in der Region des AWO BV Mittelrhein. Hier kommen im Durchschnitt 62,8 Prozent als Helfer und nur 14,6 Prozent als Fachkraft oder Spezialist in Frage.

Bei der Interpretation der Statistik der Bundesagentur für Arbeit muss aber auch berücksichtigt werden, dass grundsätzlich jede Person, die beispielsweise aufgrund fehlender berufspraktischer Anerkennung, aktuell in Deutschland nicht als Fachkraft arbeiten kann, in der Statistik der Arbeitsagentur zunächst als „Helfer“ geführt wird – selbst wenn er oder sie im Herkunftsland Arzt oder Apothekerin war.

Für die Vorsitzende des AWO Bezirksverbandes Mittelrhein, Beate Ruland, liegt es auf der Hand: "Es muss strukturiert und engagiert in die Qualifizierung von jüngeren Arbeitslosen investiert werde. Sprachförderung, die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen und Investitionen in berufliche Qualifizierung und Berufsausbildung sind wichtige Beiträge für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration“.

Bisher, so zeigt der Arbeitslosenreport NRW, werden für Geflüchtete hauptsächlich eher kurze Maßnahmen angeboten. Auch in der Region des AWO BV Mittelrhein sind im März 2017 im Durchschnitt 73,2 Prozent aller arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für Geflüchtete eher kurze Kurse der Aktivierung und beruflichen Eingliederung. „Diese kurzen Maßnahmen leisten zu Beginn der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter lediglich einen Beitrag zur ersten Orientierung am deutschen Arbeitsmarkt“, so die Vorsitzende des AWO BV Mittelrhein. „Um das bei doch vielen bestehende Defizit bei Qualifikation und beruflichen Vorkenntnisse zu beheben, sind erheblich mehr Anstrengungen notwendig. Deshalb fordern wir für Geflüchtete individuelle, bedarfsgerechte und kontinuierliche Begleitung zur Integration in Ausbildung und Arbeit durch längerfristige und an pädagogischen Konzepten ausgerichtete Coachingangebote. Um dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt über die Vermittlung kurzer Jobs hinaus sicherzustellen, müssen wir die Eingliederungsprozesse längerfristig planen. Unsere Jobcenter brauchen dafür zusätzliche Finanzmittel aus Berlin mit denen auch mehrjährige Fort- und Weiterbildungen finanziert werden können!“

Hintergrund:
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarktberichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten. Alle Ausgaben des Arbeitslosenreports sowie weiterführende Informationen unter:
freiewohlfahrtspflege-nrw.de/initiativen/arbeitslosenreport-nrw/


In der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW haben sich 16 Spitzenverbände in sechs Verbandsgruppen zusammengeschlossen. Mit ihren Einrichtungen und Diensten bieten sie eine flächendeckende Infrastruktur der Unterstützung für alle, vor allem aber für benachteiligte und hilfebedürftige Menschen an. Ziel der Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege ist die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Sicherung bestehender Angebote. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW weist auf soziale Missstände hin, initiiert neue soziale Dienste und wirkt an der Sozialgesetzgebung mit.


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